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Ich muss besser werden.

„Der Mensch irrt, so lang er strebt.“ Liegt in dieser Aussage verborgen, dass ich immer glaube, den falschen Weg zu gehen? Den falschen Weisungen zu folgen? Ich neige dazu, mich von den Ratschlägen meiner Freunde leiten zu lassen. Egal was sie mir sagen: Meistens habe ich das Gefühl, dass sie Recht haben und ich nicht. „Wie konnte ich nur so dumm sein?“ frage ich mich. „Wieso furze ich mitten in der Umkleide voller Menschen, die ich nicht kenne? Und das im Beisein eines Freundes, der dort allerdings Bekannte hat.“ Ich werde es nicht mehr tun. Das liegt nicht an seinem missbilligenden „Das kannst du doch nicht machen!“ und meinem Dummgefasel im Anschluss, nur um zu versuchen, die Situation ins Lächerliche zu ziehen. War gar nicht nötig. Lächerlich habe ich mich schon mit meinem offensichtlich geschmacklosen Dress gemacht. „Scheißegal-Attitüde“ habe ich es genannt, um Coolness beweisen zu wollen. Aber wie cool bin ich, wenn ich mit meinem lächerlichen Gehabe Freunde in Mitleidenschaft ziehe?

Ich habe Defizite. Eine Erziehung fand bei mir nicht statt, deswegen mache ich die einfachsten Sachen wie Umziehen in einer Sportumkleide mit mir Unbekannten zum ersten mal. Woher soll ich da die Sitten kennen? Erahnen lassen sie sich nicht. Sie kommen nur durch jahrelanges Training. Die Jahre kann ich mir aber nicht mehr nehmen, schließlich bin ich fast 24 Jahre alt, immer noch single und in der Pflicht, meinen Mann zu stehen. Also muss ich zusehen, meine Defizite schnell zu erkennen und – sei es im Dialog – aufzuarbeiten.

Was kann das Ziel einer solchen Entwicklung sein? Da ich glaube, dass es selbst den Menschen, die in besten Verhältnissen aufgewachsen sind, oft so geht wie mir, halte ich Selbstentwicklungsbedarf für jeden Einzelnen für unverzichtbar. Bei mir hat er oberste Priorität, da ich als Erwachsener täglich das Gefühl habe, bei Null zu beginnen. Also muss ich eine Routine ausfeilen, mich effizient in meiner sozialen Kompetenz zu steigern. Also gilt es, peinliche Situationen schnell von allen Seiten zu beleuchten: Bin ich schuld? Hätte ich es anders machen können? Was scheint die gängige Herangehensweise zu sein? Warum hat sie sich etabliert und keine andere? Kann ich das auch? Gereicht mir die Anpassung wirklich zum Vorteil, oder könnte Furzen bald der Umkleiden-Aftersport werden? Schließlich heißt anders sein auch Original sein. Genies haben ihre Entdeckungen dem Mut zu verdanken, etwas zum ersten mal anders gemacht zu haben.

Doch der Pfad zur Selbsterfüllung ist über weite Passagen sehr plattgetreten. Es ist angebracht, zunächst den Spuren anderer zu folgen. Immerhin war der erste, der diesen Weg gegangen ist, auch ein Genie. Und solange ich spüre, dass mich Ausflüchte von der etablierten Gangart unglücklich machen, sollte ich dem Konsens folgen.

3.11.09 01:00

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